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PR-Prognosen 2020

By December 13, 2019July 7th, 2020823 Comments

Joel Ridley

Mikro-Communities…

„In den letzten zehn Jahren haben Social-Media-Plattformen sich exponentiell vermehrt. Derzeit nutzen bereits über 2,5 Milliarden Menschen soziale Medien, Tendenz weiter steigend – bis auf über 3 Milliarden. Mit den wachsenden Nutzerzahlen steigt die Zahl der Plattformen, die ebenfalls vom „Goldrausch“ der sozialen Medien profitieren wollen. Da immer mehr Plattformen um die Aufmerksamkeit der Mediennutzer buhlen, prognostiziere ich einen Anstieg von Sites, die eher Nischen bedienen, und sogenannte „Mikro-Communities“ bedienen. Das ist dann der Fall, wenn Menschen mit ähnlichen Interessen und Meinungen exklusiv(er) miteinander interagieren. Die gemeinsame Haltung ist ein Aspekt, allerdings führt das auch zu dem als “Filterblase” bekannten Phänomen, bei dem sich die Benutzer gegenseitig bestätigen. Selbst Social-Media-Plattformen mit einer großen Reichweite werden Mikro-Communities entwickeln. Benutzer haben einfach die Tendenz, sich auch auf etablierten Websites mit Gleichgesinnten zu umgeben. Die steigende Popularität der Mikro-Community wird höchstwahrscheinlich dazu führen, dass sich gezielte Marketingkampagnen in Mikro-Communities viral verbreiten. Diese spezielle Art des Marketings wird potenziell erfolgreicher sein, da strategisch ausgerichtete Kampagnen dank geringer Streuverluste einen höheren ROI erzielen. Allerdings sind Mikro-Communities bekanntermaßen nach innen gerichtet – sie funktionieren also quasi introvertiert. Ein falscher Schritt entfacht problemlos den koordinierten Zorn eines ganzen Netzwerks. Wer in Zukunft mit Mikro-Communities zusammenarbeiten will, sollte sicherstellen, dass die Inhalte relevant und für Zielgruppe ansprechend aufbereitet sind.“

Big-Seed

„Promis – gesegnet mit einer großen Anzahl von Followern – kann man als eine Form von „Big-Seed-Marketing“ verstehen. Dabei handelt es sich um eine Marketingtechnik, die man besonders in den aktuellen sozialen Medien findet. Big-Seed-Marketing trägt zur Verbreitung von Marketinginhalten bei, indem es sich den Einfluss einer riesigen Zahl von Social-Media-Usern zunutze macht. Der Erfolg dieser Technik hängt nicht von bezahlter Werbung ab. Stattdessen verlässt man sich auf die organische Reichweite von Big-Seed-Vermarktern oder Influencern. In den letzten Jahren hat sich die Rolle des Influencern zu einem Schlüsselfaktor des Marketings entwickelt. Tatsächlich hat die zunehmende Abhängigkeit von sozialen Medien dazu geführt, dass Internet-Promis nicht unerheblich von ihrem Status als Big-Seed-Vermarkter profitieren, auch finanziell. Das liegt daran, dass das Big-Seed-Marketing virale Marketing-Instrumente mit traditionellen Massenmedien so kombiniert, dass diese Kombination weitaus vorhersehbarere Ergebnisse liefert als rein virale Ansätze wie etwa Word of Mouth Marketing. Die Vorhersehbarkeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Da Promis in den sozialen Medien eine konstant hohe Anzahl von Followern haben, ist es wahrscheinlicher, dass ihre Posts aufgrund der direkten Verbreitung an ihre Fans im Internet viral gehen. Dies funktioniert wie Word-of-Mouth-Marketing, allerdings mit deutlich höheren Verbreitungsraten. Wer Big-Seed-Marketing einsetzen will, sollte aber nicht vergessen, dass es um Glaubwürdigkeit geht. Es hilft nichts, einen Promi dazu zu bringen, ein bestimmtes Produkt zu bewerben, wenn er oder sie davon selbst nicht überzeugt ist.“

Conor Heslin

„Wir stehen am Anfang der sogenannten „Post-Truth“-Ära, und auch die PR-Branche wird man genauer unter die Lupe nehmen – und das nicht ohne Grund. Die schwerwiegenden Auswirkungen, die Desinformationskampagnen in den letzten Jahren auf etablierte Demokratien von Großbritannien über Indien bis hin zu den Vereinigten Staaten hatten, sind unbestreitbar. Die Tatsache, dass Menschen im politischen Bereich, davon profitiert haben, dies aber vehement bestreiten und diese eklatanten Missverständnisse als notwendigen Teil des politischen Diskurses darstellen, wird Folgen haben. Geschichten, die versuchen, eine Sinnhaftigkeit herzustellen, werden zunehmend misstrauisch betrachtet werden. PR-Verantwortliche sollten bei ihrer Geschäftstätigkeit Werte wie Transparenz und Integrität als Kern ihres Handelns nachvollziehbar umsetzen.“

Yvonne Eskenzi

„Die Art und Weise, wie wir Nachrichten und Inhalte konsumieren, ändert sich. Für die PR-Branche bedeutet das eine Verlagerung von eher „traditionellen“ zu vielfältigeren und kreativeren Arten der Konzeption, Erstellung und Verbreitung von Inhalten. Beispielsweise dürfte die Anzahl von Podcasts und Hörern im nächsten Jahr und darüber hinaus einen weiteren Aufschwung erleben. Visuelle und leichter verdauliche Arten des Medienkonsums rund um Social-Media-Stories werden weiter an Bedeutung gewinnen. Um mit diesen Veränderungen Schritt zu halten, sind PR-Agenturen aufgerufen, sich und ihre Leistungen anzupassen und das notwendige Fachwissen für überzeugende Inhalte anzubieten. Im Sinne ihrer Kunden und für die Medien und ihre Zielgruppen.“

Rohit Chavda

„Als Folge der Entwicklungen in unserer Gesellschaft und angesichts der Tatsache, dass immer mehr Menschen ihr Mobiltelefon nutzen, um an Informationen zu kommen und zu konsumieren, wird die Konzentrationsfähigkeit weiter abnehmen. Wenn die PR-Branche weiterhin Reichweite erzielen, Inhalte platzieren und die richtigen Zielgruppen ansprechen will, wird sie sich entsprechend diesem Wandel ebenfalls entwickeln müssen. Das heißt, Inhalte – Pressemitteilungen, Fallstudien und Artikel – ändern sich im Ton, und sie werden prägnanter, verdaulicher und ansprechender werden (müssen). Letzten Endes sterben Inhalte in Langform aus.“

Sam Hearne

„Markenunternehmen werden inzwischen allein durch Präsenz in sozialen Medien zu Influencern innerhalb der Branche. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich PR vollständig auf digitale Medienlandschaften verlagert und sich von den traditionellen Medien entfernt. PR stützt sich im Kern auf Medien in all ihren Formen als Vehikel für Markenpräsenz. Ich bin überzeugt, es wird zu einem Machtkampf zwischen traditionellen PR-Agenturen kommen, die weiterhin das tun wollen, was immer funktioniert hat, und dem Anspruch, in einer sich verändernden digitalen Landschaft relevant zu bleiben. Das traditionelle Modell wird abgelöst werden.“

Bethany Smith

2020 und PR raus aus dem Silo?

„Dank Internet und sozialen Medien, sind PR-Fachleute längst nicht mehr nur für reine “Medienarbeit” verantwortlich, und diejenigen, die sich weiterhin auf diesen “traditionellen” Ansatz verlassen, laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Das heißt jedoch nicht, dass jede Agentur expandieren und zu einem One-Stop-Shop werden muss. Vielmehr sollten Agenturen ihre Expertise in Bereichen wie SEO, digitales Marketing, soziale Medien, Podcasts und Videoproduktion weiter ausbauen und produktiv mit den internen Teams ihrer Kunden zusammenarbeiten, um veränderten Anforderungen gerecht zu werden. Diese Symbiose ermöglicht es der Agentur und Kunde, gemeinsam wirkungsvolle Kampagnen zu entwickeln, die auf allen Plattformen und bei allen Zielgruppen Resonanz finden.“

Too-big-to-fail: 2020 und die Krisenkommunikation

„Krisenkommunikation war schon immer ein entscheidender Bestandteil jeder PR-Strategie, aber 2019 war ein besonderes Jahr der PR-Katastrophen. Nike musste zusehen, wie ein Schuh während eines der größten Basketballspiele des Jahres auseinanderfiel, in Anwesenheit des vormaligen Präsidenten Obama dessen Kommentar aufgezeichnet wurde. Boeing versuchte nach zwei Abstürzen, bei denen es Tote gegeben hatte, verzweifelt, die Flugzeuge in der Luft zu halten, und leugnete in Pressekonferenzen jegliche Art von Sicherheitsbedenken. H&M erkannte leider zu spät, dass eine der Werbekampagnen des Unternehmens rassistisch und beleidigend war.

Wenn es ums Image geht, gibt es kein “too-big-to-fail”. 2020 werden PR-Fachleute zunehmend mit detaillierten 24/7-Plänen beschäftigt sein, um sich auf das vorzubereiten, was

sein könnte. Sich zu entschuldigen und Verantwortung für Fehler zu übernehmen, scheint allerdings deutlich besser funktioniert zu haben, als ein Fehlverhalten unverhohlen zu leugnen oder sich auf Floskeln zurückzuziehen. Und man sollte nicht außer Acht lassen: jedes Unternehmen kann das nächste sein.“

Milly Atkinson

2020 – auf dem Weg zum gegenseitigen Austausch

„Ich würde hoffen, dass 2020 und das nächste Jahrzehnt dazu führen, dass PR zu einem Instrument wird, sinnvolle Gespräche mit der traditionellen Presse und den neuen digitalen Medien zu führen. Es ist wichtiger denn je, Diskussionen zu führen, die zum Nachdenken anregen und relevante Inhalte generieren. Darüber hinaus wird sich die Art und Weise, wie wir kommunizieren und Diskussionen führen, weiter verändern. Obwohl traditionelle Medien wahrscheinlich weiterhin eine große Rolle spielen, werden virtuelle Realität, Video und soziale Medien zu einer neuen interaktiven Art des Nachrichtenaustauschs werden.“

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